Sport - 25.06.22

315 km rund um den Vättern

Vor genau einer Woche nahm ich an der Vätternrundan in Schweden teil. Die Strecke führt 315 km lang rund um den See Vättern. Sie startet und endet in Motala, im Nordosten des Sees und fand im Jahr 1966 zum ersten Mal statt. Damals noch mit 300 Fahrern, dieses Jahr mit 16.000. Ein ehemaliger Kommilitone fragte mich bereits vor zwei Jahren, ob ich mit ihm teilnehmen würde, aber damals war mir die Strecke noch zu lang. Im vergangenen Jahr fragte er mich erneut, und da ich schon für The Rift auf Island angemeldet war und eh trainieren musste, sagte ich zu.

Die 315 km sind das Abschlussrennen der Bike Week in Motala. In der Woche finden verschiedene Veranstaltungen statt:

Der Startschuss für die Vätternrundan fiel am Freitagabend um 19:30 Uhr. Wir trafen uns zuvor in der Stadt zur Pastaparty und gingen im Anschluss zum Startbereich. Nicht jeder Teilnehmer fährt die Strecke mit einem Rennrad. Auch normale Fahrräder sind am Start und mehrere Personen sah ich mit Holzschuhen und in Jeans auf ihren Rädern. 

Gestartet wird in Zeitblöcken, für die man sich vorher anmelden musste. Unser Startblock war um 5:40 Uhr und daher brauchten wir kein Licht mehr am Rad, weil Sonnenaufgang schon gegen 4 Uhr war. Es gibt eine Zeitmessung, aber keinen Sieger bei diesem Jedermannrennen. Alle 30-40 km sind Depots an der Strecke, wo man seine Getränke auffüllen kann, etwas essen und sich ausruhen kann.

Neu im Team war Alfred, der gerade mit seinem Trekkingbike von Esslingen zum Nordkap unterwegs war und am Tag ca. 150 km mit Gepäck am Rad zurücklegte. Für ihn konnte spontan ein Rennrad organisiert werden und so bestand unsere Gruppe wieder aus fünf Fahrern.

Gegen 23 Uhr legten wir uns in die Zelte, die Wecker waren auf 4 Uhr gestellt. Um Mitternacht fing es erst leicht an zu regnen und mit der Zeit wurde der Regen immer stärker. An Schlaf war bei mir nicht zu denken und meine Gedanken waren bei den Fahrern auf der Strecke. In der Dunkelheit bei Wind und Regen – überhaupt keine optimalen Bedingungen.

Um 4 Uhr regnete es immer noch, aber ein Blick auf das Wetterradar brachte Erleichterung: gegen 4:50 Uhr sollte es aufhören. Und so machten wir uns gegen 5 Uhr auf den Weg vom Campingplatz zum Start. Zur Stärkung im Gepäck: acht Energieriegel, fünf Gels und 1,5 Liter Getränke. Beim Start lag die Temperatur bei 12° C. Ich war eingepackt in Armlinge, Beinlinge, Windjacke und Regenjacke.

Als wir starteten, waren die ersten beiden Fahrer bereits im Ziel. Die ersten 100 km bis Jönköping hatten wir starken Gegenwind, so dass wir nur mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 22,7 km/h fahren konnten. Wir hielten bei allen Depots, um die Flaschen aufzufüllen und uns zu stärken. Es gab Salzgurken, Brötchen und Blaubeersuppe. Letztere trank ich bei jedem Depot. In Jönköping sollte es auch Köttbullar geben, aber als wir ankamen, waren alle schon verspeist.

Den See sah man oft gar nicht, aber wenn die Strecke nah genug dran war, war es ein richtig schöner Blick. Generell war die Landschaft wunderschön und man fuhr durch viele kleine sehenswerte Orte. An Straßenrand standen überall Menschen, die uns anfeuerten. Auch morgens um 6 Uhr. Teilweise wurden am Abend Gartenparties gefeiert und man sah noch die Überreste.

Eine längere Pause machten wir nach 174 km in Hjo, einem sehr schönen Depot direkt am See. Die Einfahrt führte direkt am See entlang, wo gegen 15 Uhr schon wieder in den Gärten gefeiert wurde. In Hjo gab es Lasagne zur Stärkung und wer bis 16 Uhr nicht hier war, der musste in den Besenwagen. Ansonsten musste man bis Mitternacht im Ziel sein.

In den Depots konnte man zusätzlich Reparaturen an den Rädern vornehmen lassen und sich kostenlos massieren lassen, was ich in Boviken, 90 km vor dem Ziel, auch machen lies, als Präventivmaßnahme gegen Krämpfe. Zum Reparaturzelt musste ich zwar nicht, aber nachdem ich mehrere Jahre lang mein Multitool in der Satteltasche durch die Gegend gefahren habe, brauchte ich es an diesem Tag mehrfach. Beim Zusammenbau des Rads zog ich die Schrauben am Lenker wohl nicht fest genug an, da ich keinen Drehmomentschlüssel dabei hatte und es aufgrund der Carbonteile ja einen Grenzwert gibt. Nach zwei Korrekturen blieb dann endlich alles bis zum Endes des Rennens in Position.

   

Im letzten Drittel wurden wir dann von mehreren Profiteams überholt. Da fährt man dann mit 35 km/h bei Rückenwind und wird dann noch von einer Gruppe überholt, die auch schon 250 km in den Beinen hat und fast sechs Stunden später gestartet ist. Sehr beeindruckend! Die Straße ist übrigens für den normalen Verkehr nicht gesperrt, aber alle Autofahrer haben sich vorbildlich verhalten. Auch sind sehr viele offizielle Fahrzeuge des Orgateams unterwegs, um bei Pannen oder Unfällen zu helfen.

Da wir ab Jönköping teilweise Rückenwind und Seitenwind hatten, konnten wir bis zum Ziel die Durchschnittsgeschwindigkeit auf 24,3 km/h steigern. Ins Ziel kamen wir als Gruppe nach 16 Stunden und 50 Minuten um 22:28 Uhr. Die reine Fahrzeit betrug 13 Stunden und das Garmin zeigte am Ende 316,39 km an. Da die Dämmerung bereits langsam einsetzte, wurden im Zielbereich entlang der Promenade lauter Kerzen am Straßenrand aufgestellt. Kurz vor dem Ziel erblickte ich auch Kristina, die schon seit mehreren Stunden in Motala war und das Rennen über den Garmin-Livetrack verfolgte. Mit der Medaille um den Hals machten wir noch ein Gruppenfoto und dann ging es auch schon zurück nach Bjäsäter. Nach so einer kurzen Nacht und dem Rennen freute ich mich aufs Bett und bin Kristina sehr dankbar, dass sie mich gefahren hat.

Das Event war richtig gut organisiert, eine landschaftlich tolle Strecke, sehr viel Support am Straßenrand – es hat einfach nur Spaß gemacht. Aufgrund der vielen Pausen in den Depots hätte ich theoretisch auch noch weiter fahren können.

Mehr Details zur Strecke gibt es bei Strava.

Das Foto von mir bei der Fahrt ist von happyride.se

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