Reisen

Trip zum Indy 500 - mehr als ein Autorennen

Im Sommer 2018 wurde ich von meinem Freund Scot, den ich während meines Schüleraustauschs 2003/2004 kennengelernt hatte, zum Indy 500 nach Indianapolis eingeladen. Im Januar buchte ich Flüge und nun war es endlich so weit. Abflug war um 8:35 Uhr mit United und ich hatte irgendwo im Hinterkopf, dass man für Flüge in die USA drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein solle. Der Gate-Bereich Z öffnet allerdings erst um 6:30 Uhr. Ich wusste vorher allerdings auch nicht, dass ich von da aus abfliegen sollte. Eine Stunde mehr Schlaf hätte mir gut getan, aber ich hatte ja knapp acht Stunden im Flieger nach Chicago vor mir.
 
Der Anflug zum O’Hare International erfolgte mal wieder über Lake Michigan bei fast wolkenlosem Himmel und einem top Blick auf die Skyline. Angekommen sind wir am Terminal 5, eine halbe Stunde früher als geplant. An der Immigration gab es keine Schlange und ich musste nicht auf mein Gepäck warten, da ich nur mit Handgepäck unterwegs war. Also ging es direkt raus zum Shuttlebus, der mich zu Terminal 2 brachte, von wo aus man mit dem Zug in die Stadt kann. Ein Ticket für die Blue Line kostet 5$ am Automaten und der Zug fährt alle zehn Minuten. Um 11:30 habe ich den Flughafen verlassen und ca. 30 Minuten später war ich schon Downtown. 
 
    
 
In Chicago war T-Shirtwetter. Deutschland habe ich mit Pulli und Jacke verlassen. Jetzt die Frage: was tun? Für das Adler Planetarium war mir die Zeit zu kurz, im Willis-Tower war ich 2015 schon. Also ab in den Millenium-Park und zum Cloud Gate: die Sonne genießen, Leute gucken. Im Trader Joe‘s schnell Snacks und Getränke gekauft und ab ging es. Um 15:40 Uhr fuhr ich mit dem Bus weiter nach Indianapolis und kam dort um 20:20 Uhr an. Eine Stunde Zeitverschiebung inklusive. Die Bushaltestelle in Chicago war zu Fuß einfach zu erreichen und das Ticket für den Megabus kostete ganze 8,50$, wovon 1$ auf die Sitzplatzreservierung und 2,50$ auf die Buchung entfallen. Günstiger kommt man wohl nicht von Chicago nach Indianapolis. Ein Flug oder ein Mietwagen hätten einen dreistelligen Betrag gekostet, von Amtrak fange ich mal gar nicht an zu reden. Am Abend gingen wir noch zu einer Brauerei, danach war ich aber bereit für Schlaf. Durch konsequentes Wachbleiben am Tag der Ankunft konnte ich Jetlag vermeiden. 
 
Den letzten Freitag vor dem Rennen nennt man Carburetion Day, abgekürzt einfach Carb Day. Hier dürfen die Teams ein letztes Mal trainieren und es findet ein Nachwuchsrennen statt: Das Freedom 100. Wir saßen auf der Tribüne an der Ziellinie und hatten mehrere Kühltaschen mit Getränken dabei. Dies ist beim Indy 500 erwünscht, aber kein Muss. Nach dem Rennen gingen wir in den inneren Bereich der Rennstrecke, wo Foreigner und Kool and the Gang auftraten. Da bei 30° C und 95% Luftfeuchtigkeit die Sonne knallte, blieben wir allerdings nicht so lange und machten uns bald wieder auf den Weg nach Hause. Fernando Alonso, den man noch am ehesten als Europäer kennt, konnte sich dieses Jahr leider nicht qualifizieren.
 
   
 
Samstag feierten wir ein bisschen im Garten. Freunde und Familie von Scot waren aus Wisconsin und Illinois angereist. Es wurde gegrillt, wir hatten ein Fass und eine Kühlbox gefüllt mit Bier und anderen Getränken. Gute Stimmung und Vorfreude auf das Rennen. Und ausreichend Schlaf. Zwischendurch regenete es mal, aber das machte uns hier nichts aus. 
 
Sonntagmorgen machten wir uns Sandwiches, füllten die Kühlboxen und -taschen mit Getränken und Eis auf und fuhren gegen 10 Uhr Richtung Rennstrecke. Aufgrund der erwarteten Masse an Besuchern war das schon ziemlich spät, aber mit Google Maps und der angezeigten Verkehrslage umgingen wir den Stau und liefen die letzte Meile zu Fuß. Dabei liefen wir über das Gelände des Campingplatzes und sahen, was wir zum Glück verpasst hatten. Scot und seine Freunde hatten dies schon öfter gemacht, allerdings nie mit Regen. Ursprünglich hatten wir den Zeltplatz an der Strecke gebucht, da aber Regen angesagt war, entschieden wir uns, doch zu Hause zu übernachten. Es war ja nur 20 Minuten mit dem Auto entfernt. Es war die bessere Entscheidung. Der Zeltplatz glich einem Matschfeld und es wurde die ganze Nacht durchgefeiert. Geschlafen hätten wir dort kaum.
 
Im inneren Bereich der Rennstrecke setzten wir uns mit unseren Campingstühlen auf den Rasen vor die dritte Kurve. Das Wetter meinte es gut mit uns. Es war bewölkt, so dass die Sonne nicht gnadenlos knallte, und der vorhergesagte Regen blieb aus. Bei Regen wäre das Rennen verschoben worden, notfalls auf Montag oder einen anderen Tag.
 
Vor dem Rennen findet allerlei Programm statt. Da das Rennen vor dem Memorial Day stattfindet, gibt es zum Beispiel eine Parade mit Soldaten. Kelly Clarkson sang die Nationalhymne, während vier Kampfjets unter dem Jubel der Besucher über die Rennstrecke flogen.
 
     
 
 
Das Rennen an sich ist für viele Besucher Nebensache. Man grillt, unterhält sich, läuft über das Gelände, oder schläft einfach auf dem Rasen. Andere verfolgen das Rennen über Radio, da man nicht überall einen Blick auf Leinwände hat und man ja nur einen kleinen Teil der Strecke sieht. Im Snake Pit findet außerdem ein Konzert mit mehreren DJs statt. Dieses Jahr war der Hauptact Skrillex, wie schon ein paar Jahre zuvor. Den Bass spürte man bis zu unseren Plätzen und nach dem Ende des Konzerts sah man, dass es vor der Bühne eine einzige Matschschlacht war. In den Vorjahren traten zum Beispiel auch Deadmau5, Axwell Λ Ingrosso, Zedd, Hardwell und Martin Garrix auf.
 
 
 
Insgesamt müssen beim Rennen 200 Runden gefahren werden, um die 500 Meilen zu absolvieren. Kurz vor Ende gab es eine Rennunterbrechung, da es einen Unfall gab und die Strecke erst wieder gesäubert werden musste. Am Ende des Rennens wurde es nochmal spannend, da sich in den letzten Runden die Führenden immer wieder abwechselten. Am Ende gewann Simon Pagenaud aus Frankreich vor Alexander Rossi und Takuma Sato, die man aus der F1 kennt. 
 
 
Kurz nach Rennende machten wir uns auf den Rückweg zum Auto, um vor den Massen nach Hause zu kommen. Dort wurde am Abend - rennverrückt, wie Scot und seine Brüder sind - das Rennen im TV nochmal geschaut, gefolgt von einem 600 Meilen NASCAR-Rennen. Ich bevorzugte das Bett.
 
Am Memorial Day machten wir noch eine Radtour nach Carmel und grillten am Abend erneut, den Dienstag nutzte ich für Sightseeing und Shopping in Indianapolis, am Mittwoch ging es dann von Indianapolis aus nach Hause. Hier hatte ich dann wieder etwas Glück, da mein Flug eine Stunde Verspätung hatte und das meiner Zeit zum Umsteigen in Washington entsprach. Ich bekam für den ebenfalls verspäteten 9-Uhr-Flug ein Standby-Ticket und flog pünktlich zur geplanten Uhrzeit ab. Da ich nur Handgepäck hatte, war das alles ganz schnell umsetzbar.
 
So erlebte ich mein erstes Motorsportevent, was allerdings mehr wie ein Festival war. Wiederholungsgefahr: groß.

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