Sport

Gedanken zum Laufen

Im Urlaub habe ich zwei Bücher zum Thema Laufen gelesen: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede von Haruki Murakami und Born to Run: Ein vergessenes Volk und das Geheimnis der besten und glücklichsten Läufer der Welt von Christopher McDougall. Beide Bücher haben mich zum Nachdenken gebracht und nun sitze ich hier in einem Hotel auf Sylt und bin am Grübeln. So viel vorab: Beide Bücher kann ich wärmstens empfehlen.

Bei der Lektüre von Haruki Murakami konnte ich mich gut in den Autor hineinversetzen. Er hat überhaupt kein Problem damit, alleine zu laufen, braucht keinen Teamsport. Außerdem gehört er - wie ich - zu der Sorte Mensch, die schnell zunimmt, wenn nichts dagegen unternommen wird. Weniger essen ist meines Erachtens nicht wirklich die optimale Gegenmaßnahme – also raus in die Natur zum Laufen.

Er bezeichnet sich als mittelmäßigen Läufer, lief in der Vergangenheit allerdings Marathons unter vier Stunden. Da ist bei mir noch viel Luft nach oben. Sein Trainingspensum ist jedoch auch viel höher. So versucht er jeden Tag zehn Kilometer zu laufen. Auch davon bin ich noch weit entfernt. Es ist auch zu bezweifeln, ob ich so ein Pensum jemals erreichen werde. Im Urlaub war ich nun an zwei Tagen joggen. Davor war ich längere Zeit nicht so aktiv, da ich nicht so gerne im Dunkeln laufen gehe. Insgesamt waren es in der vergangenen Woche 21 km, wovon ich die erste Runde über elf Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5:28 min/km lief, worüber ich mich sehr freute. Beim Lauf sah ich bei Strava, dass direkt am Anfang ein 400 m langes Segment lag: Das Ende vom Syltlauf. Bei meiner zweiten Runde machte ich am Anfang einen Sprint und lief die Distanz mit einer Durchschnittszeit von 3:29 min/km. Andere Läufer laufen mit der Geschwindigkeit einen Marathon, oder halt das Ende vom Syltlauf. Ich war nach den 400 m ganz schön aus der Puste. Aber ich will jetzt erstmal die 5:30 min/km konstant über längere Strecken laufen können, bevor ich mich bei der Zeit verbessere.

Ebenfalls testete ich auf der zweiten Runde den Vorderfußlauf. Auf einer Strecke von ca. 100 m. Danach wechselte ich wieder zum Fersenlauf. Dieses Thema wurde im Buch Born to run aufgegriffen. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Harvard University zeigt, dass der menschliche Fuß für den Vorderfußlauf geschaffen wurde (man muss ja nur mal barfuß laufen und schon rollt man nicht mehr ab). Der Autor Christopher McDougall stellt weitere wissenschaftliche Forschungsergebnisse vor, die zeigen dass die viele Verletzungen durch den Laufsport erst mit der Einführung von speziellen Laufschuhen verursacht wurden und dass man mit teuren Schuhen ein höheres Verletzungsrisiko hat, als mit billigen.

Das kann ich zum Glück nicht bestätigen, aber mein Trainingspensum ist ja auch nicht sehr hoch. Im Prinzip stelle ich jetzt aber die Faustregel in Frage, dass man alle 500-600 km den Schuh ersetzen sollte. Ich werde bestimmt nicht zum Barfußläufer, wie bspw. Barfuß-Ted, oder wechsle einfach den linken gegen den rechten Schuh aus, aber ggf. werde ich meine alten Laufschuhe reaktivieren. Denn es soll die Fußmuskulatur trainieren, wenn man mit unterschiedlichen Schuhen läuft.

Was den Vorderfußlauf angeht, muss ich noch weiter recherchieren. Das Thema wird im Netz stark diskutiert. Es gibt auch Videos auf YouTube, die den "perfekten" Laufstil zeigen sollen. Wenn man bei Google nach "Laufstil ändern" sucht, wird als Zeithorizont ein halbes Jahr angegeben, welches man für den Wechsel benötigt. Das würde dann nicht in meinen Laufkalender passen. Bisher bin ich jedoch auch mit dem aktuellen Stil gut gelaufen.

Nachdem ich 2016 zwei Halbmarathons lief, ein 104 km langes Radrennen fuhr und einen Triathlon über die Sprintdistanz absolvierte, sind für 2017 ebenfalls mehrere Starts geplant. Der Auftakt wird wieder das Radrennen am 1. Mai sein, allerdings nur 80 km, da am darauffolgenden Wochenende der Halbmarathon in Mainz stattfindet. Dann bin ich schon für den Triathlon in Frankfurt angemeldet. Dieses Jahr dann zusammen mit Manuel die olympische Distanz. Manuel hat für 2017 Startplätze für den Hermannslauf und den Berlin-Marathon, wofür er von mir größten Respekt bekommt. Mir reicht der Halbmarathon im Moment und der Hermannslauf (http://www.hermannslauf.de) ist eine sehr bergige Angelegenheit. Ich drücke ihm die Daumen, dass er dieses Jahr ohne Verletzungen übersteht.

Daneben sind im Kalender mehrere Events vermerkt, für die ich mich jedoch noch nicht angemeldet habe. So langsam trudeln auch immer mehr Einladungen zu Hochzeiten und Geburtstagen ein, so dass manche Rennen nicht möglich sind. Die soziale Komponente soll wegen des Sports nicht leiden. Köln lockt im September und Oktober mit einem Triathlon und Halbmarathon, eventuell noch den Heidelbergman in Heidelberg oder den Römerman in Ladenburg. Den Abschluss der Saison kann dann wieder der Mainuferlauf in Offenbach werden.

Das hört sich jetzt nach viel Aktivität an, aber 2016 bin ich zum Vergleich "nur" 414 km gelaufen und 1.356 km Fahrrad gefahren, wobei viele Kilometer durch Pendeln zur Arbeit zustande kamen. Vom Schwimmen reden wir jetzt besser mal nicht. Allein die 414 km läuft Haruki Murakami in nicht mal 1,5 Monaten und es gibt Ultramarathonläufer, die weitere Strecken am Stück laufen. Das finde ich nicht mehr feierlich, aber darüber zu lesen war faszinierend. Im Buch Born to run wird auch eine Person zitiert, die einen Ultramarathon als taktisches Essen und Trinken mit schöner Landschaft bezeichnet. Bei meinen Läufen habe ich seit Ende 2016 manchmal einen kleinen Trinkrucksack dabei, beim Radfahren führe ich immer zwei Trinkflaschen mit. Auf den Trinkrucksack machte mich Mathias aufmerksam, aber der gehört auch zur Ultrafraktion und läuft bei Schnee und Kälte über 70 km durch Belgien.

Vielleicht teste ich dieses Jahr mal, wie weit ich am Stück laufen kann, wenn ich wieder in einer guten Form bin. Aber dafür muss ich dann auch noch ein paar Kilos verlieren. Denn jedes verlorene Kilogramm am Körper verbessert ja auch die Zeit. 30 km sollten machbar sein. Am wichtigsten ist es jedoch, dass alle frei von Verletzungen bleiben. Auf eine gute Lauf-Saison!

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